Wie geht‘s nach „Wortschatz“ weiter?
Interview mit Yasemin Böhnke:Mit der Premiere des Stückes „Als wäre ich Papier“ geht der erste rheinland-pfälzische Autorenwettbewerb „Wortschatz“ zu Ende, an dem sich das Speyerer Kinder- und Jugendtheater beteiligt hat. Unser Redakteur Peter Kreutzenberger hat mit Projektkoordinatorin Yasemin Böhnke über ihre Erfahrungen gesprochen.
Warum hat das Theater am Wettbewerb teilgenommen? Wie erreicht man, dass der Spielplan eines Kinder- und Jugendtheaters abwechslungsreich, spannend und vielseitig bleibt? Diese Fragen haben wir uns in unserer Arbeit immer wieder gestellt. Die Antwort dazu: nur durch abwechslungsreiche, spannende und vielseitige Textvorlagen. Die Qualität des Repertoires hängt davon ab, auf welche Stücke ein Kinder-und Jugendtheater zurückgreifen kann. Die Idee zu dem Autorenwettbewerb war geboren. Wir wollten uns auf die Suche machen nach neuen, originellen Stücken für ein junges Publikum zwischen drei und 18 Jahren. Wichtig war uns dabei, Autoren aufzuspüren, die mit Rheinland-Pfalz verbunden sind und somit in unserem direkten Umfeld schreiben. Wir waren positiv überrascht, wie produktiv unsere eimat ist und welch schriftstellerisches Talent hier schlummert.
Wie fällt Ihre Bilanz der Bewerbungen aus? Zunächst waren wir völlig überwältigt von der großen Anzahl. Mit mehr als 70 Einsendungen müssen wir uns auf keinen Fall hinter großen und bereits etablierten Autorenwettbewerben verstecken, zumal wir mit dem geforderten Rheinland-Pfalz-Bezug der Autoren den potenziellen Bewerberkreis enorm eingeschränkt haben. Doch die Resonanz hat gezeigt: Das Genre Kinder- und Jugendtheater bietet für Dramatiker einen ganz eigenen Reiz. Wir wollten die Schriftsteller durch den Wettbewerb ermutigen, ihre bereits angefangenen Stücke zu Ende zu bringen, oder aber durch die Ausschreibung den Anreiz schaffen, mit dem Schreiben für Kinder- und Jugendtheater zu beginnen. Eine Komponente war uns an dem Wettbewerb besonders wichtig: Wir wollten nicht nur einen Eindruck von Texten bekommen, sondern auch konkrete Ergebnisse auf der Bühne präsentieren. Deswegen setzte sich der Preis nicht nur aus einem Preisgeld zusammen, sondern eben auch aus der Inszenierung der Gewinnerstücke. Für Speyer ist das etwas ganz Besonderes: Innerhalb einer Spielzeit hat das Kinder- und Jugendtheater gleich zwei Stücke uraufgeführt.
Wie geht‘s weiter? Der Wettbewerb war der erste seiner Art in Rheinland-Pfalz und hat die Erwartungen aller Beteiligten weit übertroffen. Wir haben im Verlauf des Wettbewerbes zahlreiche neue Kontakte geknüpft und viele talentierte Autoren kennen gelernt. Diesen „Schatz“ wollen wir auf alle Fälle auch in Zukunft gut pflegen. Es ist uns wichtig, dass die entstandenen Verbindungen auch über den Wettbewerb hinaus weiter vertieft werden und wir den Dialog zwischen Theater und Autoren ausbauen können. Das Speyerer Publikum darf sich also freuen: Wir werden auch in Zukunft dafür sorgen, dass unser Spielplan abwechslungsreich, spannend und voller Überraschungen bleibt.
(pek/Archivfoto: Lenz)
Aus "Die Rheinpfalz" vom 14.03.2011


